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Sonntag, 10. Juni 2012

Prozession zu Fronleichnam und zu Herz Jesu

viele unserer Bräuche und Traditionen sind im Glauben verwurzelt

egal, ob man selber gläubig ist oder nicht, 
man kommt häufig nicht dran vorbei

eine Tradition, die mehr nur für die gläubigen Christen ist, 
ist die Prozession zu Fronleichnam

dabei ist das ganze Dorf beteiligt und bereitet die Altäre vor, 
der Chor und die Musikkapelle probt, Fahnen werden aufgestellt usw.


die geschmückten Altäre sind übrigens in einigen Pfarreien 
hier im Oberbergischen eine besondere Augenweide, 
leider hatte ich dieses Jahr nicht die Möglichkeit 
neue Fotos zu machen und die alten 
sind seit meiner Computerpanne unauffindbar 
-- ich hoffe sie sind nur falsch abgelegt 
und tauchen irgendwann wieder auf

das Grundkonzept ist hier im Oberbergischen das gleiche 
wie in Tirol und doch sind die Prozessionen in meiner Heimat 
viel farbenfroher als hier

woran das liegt?

erstens wahrscheinlich an der wehmütigen Erinnerung 
-- seit ich schulpflichtige Kinder habe, 
war ich bei keiner Prozession in Tirol mehr dabei
zum Anderen sind vielleicht einfach die Traditionen 
im "Land im Gebirge" noch stärker als hier

zu Fronleichnam als solches muß ich ja nicht viel erzählen, 
das ist im kirchlichen Jahreskreis fest verankert 
und nach wie vor auch für Nichtchristen ein willkommener Feiertag  ;)

hier ein paar Eindrücke von einer Prozession 
in einem kleinen Dorf im Lienzer Talboden, 
die Fotos sind schon einige Jahre alt 
und es ist für mich ziemlich lustig, 
die Gesichter zu betrachten


anfangs gibt es eine Feldmesse
hier stellen sich die Ministranten auf für die Prozession 
und an den Ministranten sieht man schon den ersten 
großen farblichen Unterschied
während hier im Oberbergischen fast nur noch 
beige Kutten üblich sind, 
sieht man in Tirol häufig noch die 
auf den Jahreskreis farblich abgestimmten Ministrantengewänder 

(im Oberbergischen wird die Messe in der Kirche gefeiert 
und im Anschluss geht die Prozession durch das Dorf)


 dann gehen die verschiedenen Abteilungen 
entsprechend der Prozessionsordnung 
mit den zugehörigen begleitenden Fahnen oder Figuren


 

die Jungs/Buben tragen eine Schutzengelfigur




die Burschen/ledigen Männer mit der Burschenfahne

(das sind übrigens zwei meiner Brüder, 
die inzwischen beide Familie haben
der Fahnenträger ist übrigens 2,03 Meter groß 
-- nur so als Größenvergleich)

die Fahnen sind ziemlich schwer 
und man braucht einen verlässlichen zweiten Mann, 
der mit zwei Leinen, die  am Querbalken festgemacht sind, 
die Fahne steuert

wenn es windig ist, 
ist Fahne tragen eine sehr kitzlige Angelegenheit

(Anmerkung zu "Beauty is where you find it" siehe ganz unten)



die Männerfahne

Fahnen gibt es auch im Bergischen, 
aber so große habe ich nur in Tirol gesehen


Musikkapelle

eine Musikkapelle ist auch hier im Bergischen üblich


Feuerwehr

die Feuerwehr scheint im Oberbergischen nicht als Formation auf, 
sondern hat häufig Ordnerdienste und ist sonst "unsichtbar"



Schützenkompanie

Tiroler Schützen sind übrigens nicht mit 
den Schützen hier im Oberbergischen in einen Topf zu werfen!!!



ein prächtiger Baldachin unter dessen Schutz das Allerheiligste 
durch das Dorf getragen wird

dahinter gehen (wie auch im Oberbergischen) die Erstkommunionkinder



die Mädchen mit der Notburga

das war/ist meine liebste Figur
warum weiß ich nicht genau, 
vielleicht weil meine Tante Burgl hieß, 
vielleicht auch, 
weil es die einzige Figur mit echter Kleidung ist




die ledigen Frauen mit der Maria




die verheirateten Frauen mit der Mutter Anna




unterwegs die traditionellen Altäre, 
wo das Evangelium verlesen wird 
und der Segen erteilt wird




an jedem Altar gibt die Schützenkompanie einen Salutschuß ab




Jungschützen



ein kleiner Teil der Prozession auf dem Weg durch das Dorf


***


zu Herz Jesu gibt es dagegen für NichtTiroler weit mehr zu sagen

Herz Jesu geht auf den Krieg gegen Napoleon 
Ende 18. JH. Anfang 19. JH. zurück

damals wurden die Tiroler recht böse vom Krieg überrascht 
und haben eine Landwehr gegen Napoleon aufgestellt,
die unter Andreas Hofer anfangs tatsächlich 
und überraschend erfolgreich war 
letztendlich konnten sie den Truppen der Franzosen 
jedoch nicht standhalten, 
aber in jedem Tiroler steckt noch heute ein kleiner Andreas Hofer, 
und wir hängen sehr an unserer Heimat 
--- diese Heimatverbundenheit ist auch der Grund dafür, 
warum ich nach 20 Jahren in Deutschland noch immer 
keinen deutschen Pass habe 
-- ich müsste nämlich meinen österreichischen dafür aufgeben 

die vom Krieg überraschten Tiroler haben auf jeden Fall damals 
das Land Tirol dem Herzen Jesu geweiht 
und dadurch eine Zusammengehörigkeit unterstrichen, 
die es ihnen erlaubt hat, dem Franzosen zu trotzen

um Nachrichten schnell zu übermitteln, 
wurden unter anderem Signalfeuer verwendet
als dann das Herz-Jesu-Fest jährlich am 3. Sonntag nach Pfingsten, 
als Erneuerung des Gelöbnisses begangen wurde, 
wurden dann aus den üblichen Sonnwendfeuern 
- "Herz-Jesu-Feuer"
in der Tradition hat sich dann eine Prozession 
wie zu Fronleichnam durchgesetzt

vielerorts werden nicht einfach nur Feuer entzündet, 
sondern regelrecht Bilder in die Berge gemalt
leider habe ich davon keine brauchbaren Fotos, 
aber viele schöne Beispiele kann man bei Tante G++gle finden


an dieser Stelle auch noch mal eine Anmerkung 
zu den Schützenkompanien in Tirol
die haben mit den Schützenvereinen hier 
im Oberbergischen wirklich nicht viel gemeinsam, 
sie sind zwar aus der gleichen Tradition entstanden, 
aber heute könnte die Bedeutung nicht unterschiedlicher sein, 
hier ist es ein Sportverein, der zwar auch Traditionspflege betreibt, 
aber ein Tiroler Schütze ist zuallererst und vor allem Tiroler


also Heimatverbundenheit, Wurzeln, Tradition 
und Zugehörigkeit in positiver Form


interessant ist vielleicht auch, daß die Schützen 
von den Nationalsozialisten verboten wurden 
und sich nach dem zweiten Weltkrieg erst langsam wieder 
neue Kompanien gebildet haben


Infos findet man auch auf folgenden Internetseiten:


auf Wikipedia

Homepage der Tiroler Schützen


1809 war das Jahr, das für Tirol für immer mit Andreas Hofer 
und Napoleon verbunden sein wird
2009 wurde Gedenkjahr gefeiert 
und unter anderem wurde in Lienz ein "Feueradler" installiert, 
der bis Allerheiligen fast jede Nacht leuchtete

ich habe den Feueradler selber gesehen und er war beeindruckend!!
leider habe ich kein brauchbares Foto davon machen können, 
dafür reichte meine Kameratechnik nicht aus

deshalb habe ich mir Fotos von hier ausgeliehen




Feueradler anlässlich des 200-Jahr Gedenkens an Andreas Hofer 
in den Lienzer Dolomiten

die Fotos habe ich mir hier ausgeliehen:


***

das Bild mit der Burschenfahne 
habe ich übrigens bei Luzia Pimpinella verlinkt, 
das Thema diese Woche ist "winzig klein/riesig groß"

ich finde das paßt gut, mein Bruder ist über 2 Meter groß, 
also wahrlich nicht winzig klein, 
aber unter der schweren Fahne ist er gar nicht mehr so groß

und im Vergleich zur Größe von Heimat, Gott, Glauben 
ist auch die Fahne noch winzig klein

also ist es alles eine Frage der Relation





Kommentare:

  1. Hallo liebe Agnes,
    das war ein schöner Streifzug durch Brauchtum und Geschichte! Vielen Dank dafür!!
    Und du hast wirklich Recht, so prachtvoll sind die Prozessionen hier nicht...
    Liebe Grüße
    Trudi

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  2. Servus Ali,

    vielen Dank für Deinen wunderbaren Fronleichnamsbericht. Ja, so sind die Prozessionen bei uns. Ich liebe und lebe diese Traditionen, denn sie sind einfach ein Teil von uns. Ich finde es wunderbar, dass Du sie auch in der Ferne nicht vergißt und in Dir trägst. Ich kenne sie von meiner frühesten Kindheit bis jetzt und es ist immer wieder eine innere Wohltat, ein Teil dieser Tradition zu sein.

    Herzliche Grüße Renate

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